Reisen ist schön, aber ist es auch nachhaltig?

 Reisen ist schön, aber ist es auch nachhaltig?

Andreas Koch berät mit seiner Firma blueContec Hotels, Regionen und Tourismusunternehmen, sich auf das Thema Nachhaltigkeit auszurichten. Gemeinsam hat er mit Torsten Merker und Arne Ahrens bereits über 250 Hotels dabei geholfen, Energiekosten zu sparen und nachhaltiger zu werden.

Elita Wiegand führte ein Interview mit Andreas Koch.

Sie waren Umweltbeauftragter und Leiter der Hotelberatung und Produktentwicklung der TUI Deutschland. Warum sind Sie ausgestiegen?

Andreas Koch: Ich habe den Job 13 Jahre ausgeübt und bin sehr dankbar für die Erfahrungen dieser Zeit. Nach meinem Umweltmanagement Studium, hatte ich den Wunsch in einem großen Konzern etwas zu bewegen. Bei TUI habe ich weltweit viele Menschen getroffen, mit denen ich gemeinsam etwas geschaffen habe. Mehr und mehr fühlte ich mich allerdings auch eingeengt in einem Konzern. Es passte nicht mehr zu meinen größeren Visionen. Mein Wunsch war, andere wie Hoteliers oder Destinationen dabei zu unterstützen nachhaltiger zu werden. Ganz bewusst habe ich daher zwei Ideen mit Gleichgesinnten vorangetrieben – blueContec und Futouris, der größten deutschsprachigen Touristischen Nachhaltigkeitsinitiative.

Was macht blueContec – wofür steht Ihr Unternehmen?

Andreas Koch: Wir wissen, dass es im Tourismus viele Herausforderungen gibt – angefangen bei dem zum Teil hohen Verbrauch von Ressourcen, über den starken Landschaftsverbrauch gerade in sensiblen Naturräumen bis zu den sozialen Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung. Mit blueContec, einer Firma die ich mit meinem damaligen Kollegen Arne Ahrens gegründet habe, wollen wir zeigen, dass es auch anders geht. Das fängt mit den Themen Energie- und Wassereffizienz an, geht über den Aufbau von Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagementsystemen bis zur nachhaltigen Strategieentwicklung für Tourismusunternehmen und touristische Regionen. Mittlerweile haben wir schon viel Erfahrung mit über 250 Beratungen in Deutschland und Europa gesammelt.

Tourismus und Nachhaltigkeit – das ist eigentlich ein Widerspruch. Was sagen Sie den Kritikern?

Andreas Koch: Ja, auf den ersten Blick ist es ein Widerspruch. Es ist bekannt, dass der Tourismus mit seinem Flugverkehr zu den Klimaauswirkungen beiträgt, manche Küstengebiete verschandelt hat oder in einigen Entwicklungsländern die lokale Bevölkerung von den wirtschaftlichen Vorteilen nahezu ausschließt. Ich sehe diese Realität und doch spüre ich, dass der Tourismus auch eine Riesenchance bietet: Wir brauchen positive Leuchttürme, Blaupausen für eine zukunftsfähige Entwicklung dieser Welt.

Touristische Regionen bieten diese Chance als Versuchslabore der Zukunft, als Mikrokosmosse einer weltweit nachhaltigen Entwicklung. Gerade weil der Tourismus weltumspannend ist, Menschen zusammenbringt und viele berührt und betrifft, werden diese Beispiele Vorzeigecharakter haben und sich schnell verbreiten. Schon heute gibt es Hotels, die mehr Energie produzieren als sie verbrauchen, es gibt Destination, die bald Fähren mit Biogas aus Landwirtschaftsabfällen betreiben, und es gibt Initiativen, bei denen Touristen durch ihren Aufenthalt mithelfen, einen Fluss zu renaturieren. Das ist gelebte Zukunft heute!

Das Neptune Hotels auf Kos. Andreas Koch arbeitet mit dem Hotel für drei Jahre zusammen, um die Energiekosten zu reduzieren und das Thema Nachhaltigkeit zu stärken

Mikrokosmos, Makrokosmos – wie kann jeder dazu beitragen, den Tourismus nachhaltig zu verändern?

Andreas Koch: Ich selbst hatte nie ein Auto, kaufe bewusst ein und liebe Radferien. Mit meiner Arbeit helfe ich, dass Tourismusangebote nachhaltiger werden. Wenn nun, genauso wie im Bereich Lebensmittel, immer mehr Touristen wahrnehmen, dass es nachhaltigere Alternativen im Tourismus gibt und bewusster ihre Reise und ihr Hotel buchen und so selbst einen Beitrag leisten, dann hat dies einen weltweiten Effekt in beide Richtungen: Einen Effekt in dem Land aus dem die Touristen kommen und einen Effekt in dem Urlaubsland. Das kann ganz schnell gehen, wenn erstmal eine kritische Masse mitmacht. Das wünsche ich mir!

Nun erhebt sich die Frage, ob Nachhaltigkeit nicht die Qualität im Urlaub mindert?

Andreas Koch: In meiner Erfahrung bereichert das Thema Nachhaltigkeit Ihr Urlaubserlebnis. Sie werden merken, wenn Angestellte vernünftig bezahlt und behandelt werden, wenn sie gutes, gesundes, regionales Essen schmecken oder ihre Zimmer mit weniger Gefahrstoffen gereinigt werden. Das einzige große Thema, zu dem es noch wenig Alternativen gibt, ist die Anreise mit dem Flug oder Auto an sich. Hier können bewusste Menschen auf entsprechende Ausgleichszahlungen setzen, deren Gelder für den Ausgleich dieser Emissionen meist in Entwicklungsländern und in die Erforschung neuer zukunftsfähiger Energieträger fließen. Jede einzelne bewusste Urlaubsentscheidung trägt dazu bei, die Menschen und Initiativen zu unterstützen, die ganz bewusst zeigen, wie Zukunft funktioniert.

Was sind die Leuchttürme Ihrer Arbeit?

Andreas Koch: Meine Lieblingsprojekte sind gerade Regionen wie Schleswig-Holstein und Kreta auf dem Weg zu begleiten. Dabei ist das Schönste, meine Erfahrung einzubringen und gemeinsam mit lokalen Gleichgesinnten die Vision zum Leben zu erwecken. Gemeinsam erreichen wir mehr als jeder alleine. Am meisten berühren mich dabei die persönlichen Beziehungen zu vielen unserer Kunden, zum Beispiel Hoteliers und Hotelketten in ganz Europa. Hautnah mitzuerleben, wie der einjährige Aufbau eines Nachhaltigkeits- oder Umweltmanagementsystems das gesamte Hotelteam zusammenschweißt und alle stolz auf das Zertifikat sind, vergesse ich nie und werde dabei selbst Teil des Teams. Das sind echte Höhepunkte meiner Arbeit.

Welche Wünsche und Ideen haben Sie für die Zukunft?

Andreas Koch: Ich möchte mit meiner Erfahrung mithelfen, möglichst viele zukunftsfähige Tourismusinitiativen in Regionen, Unternehmen und Hotels auf den Weg zu bringen. Meine Leidenschaft dabei ist, Menschen zu verbinden und ganz konkret zu zeigen, wie wir uns eine nachhaltige Welt der Zukunft vorstellen. Deshalb träume ich davon, Ausbildungen, Managerfortbildungen oder Studiengänge in unsere Projekte zu integrieren oder auch Mitarbeiter von Tourismusunternehmen stärker zu involvieren. Mir liegt es am Herzen, möglichst viele zu inspirieren, mitzumachen und sich selbst für eine bessere Welt zu engagieren. Dafür möchten wir mit unseren Initiativen ein Vorbild sein und in der Praxis zeigen, dass es funktioniert.

Andreas Koch

Kontakt:

blueContec GmbH
Andreas Koch
Gretchenstr. 40
D-30161 Hannover
Fon: 0170 567 2235
Web: www.bluecontec.com
Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

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